Seit der Fertigstellung im Dezember 2025 präsentiert sich das Hotel Kristberg oberhalb von Lech als architektonisch geschärftes Ensemble. Ein Neubau mit 27 Suiten, eine großzügige Living Lobby mit Salon Lech und Open Kitchen, ein neu konzipierter Wellnessbereich mit Outdoorpools sowie die Wiederbelebung des legendären Scotch Club prägen das Haus neu – konsequent gedacht als „von innen nach außen leuchtende“ Architektur.

Oberhalb des Dorfkerns von Lech am Arlberg erhebt sich das Hotel Kristberg als präzise komponierter Baukörper im Spannungsfeld von Massivität und Transparenz. Das architektonische Konzept von Architekt Christian Prasser basiert auf einem klar formulierten Prinzip: Kern und Hülle. Ein gestockter Sichtbetonkern bildet das statische und räumliche Rückgrat des Hauses, während eine leichte, transparente Außenhaut aus Glas und schwarz lasiertem Holz das Gebäude umspannt. Diese Konstruktion erzeugt eine bemerkenswerte Ambivalenz: Der Bau wirkt kraftvoll verankert und zugleich überraschend leicht. Vor der markanten „Schwarzen Wand“ verschmilzt die dunkle Holzfassade beinahe mit der alpinen Topografie. Architektur wird hier nicht als Fremdkörper verstanden, sondern als bewusste Setzung im Dialog mit Landschaft und Licht.

Auch funktional zeigt sich die planerische Präzision. Servicebereiche und der legendäre Scotch Club sind nahezu unsichtbar in das Gelände eingebettet. Durch Aufschüttungen und gezielte Einschnitte entstehen Blickachsen, die den Innen- und Außenraum subtil verbinden. Drei augenartige Öffnungen im Bereich des Clubs wecken Neugier von außen und inszenieren von innen präzise gerahmte Ausblicke auf den Ort.
Im Inneren entfaltet sich eine zeitgemäße Interpretation alpiner Baukultur. Traditionelle Materialien wie Holz und Schindeln werden nicht folkloristisch zitiert, sondern abstrahiert und neu gedacht. Dunkler Sichtbeton trifft auf Eschenholz, dessen Farbigkeit je nach Raum variiert: hellbeige im Wellnessbereich, maronifarben in den Suiten, kaffeebraun in den öffentlichen Zonen. Ein tiefer Grünton zieht sich als verbindendes Element durch alle Ebenen und erinnert an Wald und Moos.

Die Living Lobby fungiert als räumliches Herzstück. Rezeption, Lounge, Bar und der Salon Lech mit Open Kitchen verschmelzen zu einer fließenden Raumlandschaft. Großzügige Verglasungen holen die Bergwelt unmittelbar ins Innere und erzeugen eine Weite, die für Lech ungewöhnlich offen wirkt. Kristalline Beleuchtungskörper setzen im Restaurantbereich Akzente und spiegeln sich in den Fensterscheiben scheinbar ins Unendliche. Maßgefertigte Sitzbänke mit hohen Rückenlehnen schaffen transparente, dennoch intime Zonen.

Die 27 Suiten sind konsequent auf den Landschaftsbezug ausgerichtet. Vertikale Holzlatten und filigrane Balkongeländer fungieren als Filter zwischen Privatheit und Panorama. Das dominierende maronifarbene Eschenholz wird durch grün strukturierte Wandoberflächen ergänzt, deren Haptik an Wälder erinnert. Organisch geformte, lang gezogene Leuchten schweben wie Lampions in den Räumen und sind von außen sichtbar – ein wesentliches Element des Konzepts vom „von innen nach außen leuchtenden Haus“.

Der Wellnessbereich führt diese Idee atmosphärisch fort. Naturbelassene Schindeln, maßgefertigte Liegen und gezielt eingesetzte Grüntöne schaffen eine erdende Ruhe. Die Panoramafassade vor den Outdoorpools öffnet den Blick in die alpine Weite und verstärkt das Gefühl von Rückzug und Freiheit zugleich. Mittelpunkt des Ruheraums ist ein freihängender, polygonaler Kamin aus hell glasierter Keramik auf einer Basis aus Schwarzstahl. Wie um ein Lagerfeuer gruppieren sich Sitzstufen und Liegen – eine archaische Inszenierung im zeitgenössischen Gewand.

Der legendäre Scotch Club verbindet Vergangenheit und Gegenwart. Einst Fixpunkt des Lecher Nachtlebens, wird er heute als Dinner Club neu interpretiert. Rostrote und lilafarbene Akzente, Cord- und Samtstoffe zitieren die 1970er-Jahre, während eine verchromte Spiegelwand Dynamik und Tiefe erzeugt. Ausgestellte Formel-1-Helme erinnern an die Zeit des internationalen Jetsets. Zwischen mosaikartigen Holzelementen integrierte Marmorlampen, die wie invertierte Bergpanoramen wirken, verändern ihre Lichtfarbe je nach Tageszeit – vom gedämpften Dinnerlicht bis zur pulsierenden Clubatmosphäre. Eine weitere erzählerische Ebene eröffnet die über vier Etagen kuratierte Fotogalerie im Sichtbeton-Stiegenhaus. Sie würdigt Egon Zimmermann, Olympiasieger von 1964 und Gründungsfigur des Hauses. Großformatige Schwarz-Weiß-Aufnahmen verbinden Sportgeschichte, Familienerbe und Gegenwart und schlagen eine Brücke zwischen Neubau und Tradition.
Das Hotel Kristberg versteht sich damit nicht nur als architektonisches Statement, sondern als vielschichtiges Raumgefüge. Es verbindet alpine Identität mit zeitgenössischer Klarheit, Massivität mit Transparenz, Geschichte mit Zukunft. Ein Haus, das in der Dämmerung zu leuchten beginnt – und damit seinen Dialog mit der Bergwelt sichtbar macht.

Hotel Kristberg
Familie Christiane & Michael Zimmermann
Dorf 316
A-6764 Lech am Arlberg
tel: +43 5583 2488



