Ganz harmonisch verlief die Übergabe der Familux Resorts von Andrea und Ernst Mayer an ihre Kinder Julian und Florian. Mit ihren vier Familienhotels in Lermoos, Gosau, Oberjoch und Oberhof erzielten sie im vergangenen Jahr mehr als 100 Millionen Euro Umsatz. Im wellhotel-Interview sprechen zwei „Mayer-Generationen“ über das Geheimnis ihres Erfolges, interessante News in der Familienhotellerie und blicken optimistisch in die Zukunft – die ein rasantes Wachstum der Familux Resorts bringen wird.


In vielen erfolgreichen Hotelbetrieben sind Übergaben an die jüngere Generation oft mit Problemen verbunden. Die Familie Mayer arbeitet dagegen Hand in Hand. Wie haben Sie das so harmonisch hinbekommen?
Ernst Mayer: Tatsache ist, dass ich nun Pensionist bin und mir das mit Freude von außen ansehe. Ich gebe aber schon meinen Senf dazu, wenn ich gefragt werde. Das Loslassen ist mir relativ leicht gefallen, weil ich über den großen Luxus verfüge, dass meine zwei Söhne richtig Ahnung von der Materie haben.
Julian Mayer: Ich glaube, dass es auf die Frage der gelungenen Übergabe und der tollen Zusammenarbeit viele Antworten gibt. Wir sind uns grundsätzlich einig, dass Entscheidungen nach dem vorhandenen Know-how und bestehenden Fakten getroffen werden, Gefühle werden bewusst zur Seite gestellt. Wer am tiefsten im Thema drin ist, der macht das und wird auch dafür verantwortlich gemacht. Das Operative liegt zumeist bei Florian, die Themen Marketing und Finanzen bei mir. Bei Bauthemen und vor allem, wenn es um die Umgestaltung des Bestands geht, fragen wir gerne und oft beim Papa nach. Er hat ja in seinem Leben genug gebaut (grinst).
Florian Mayer: Es ist natürlich von großem Vorteil, dass Julian und ich internationale touristische Ausbildungen absolviert haben. Bei der Fülle an Aufgaben sind wir froh, dass wir diese auf mehrere Schultern verteilen können. Was uns ebenfalls extrem hilft, ist die Größe der Familux Gruppe, dadurch ergeben sich optimale Synergien. Obwohl wir in den nächsten Jahren noch viel vorhaben, darf der Papa die Baumedaille behalten, wir wollen das nicht toppen.
Die Familux Resorts gehen oft eigene Wege, etwa mit einem eigenen Aktivprogramm von Skistar Christian Neureuther oder mit Kulinarik-Guides wie Fernsehkoch Mike Süsser, welche neue weltweite Food-Trends aufspüren. Können Sie diese Philosophie näher erklären und was planen Sie softwaremäßig für die Zukunft?
Julian Mayer: Generell machen wir softwaretechnisch sehr viel inhouse. Bei bestimmten Themen gibt es aber Profis, die das besser können. Mike Süsser und Felix Neureuther sind in ihren Metiers absolute Experten und international bekannt. Wichtig ist uns aber auch, dass unsere Partner sympathisch sind und über eine positive Strahlkraft verfügen. Wir haben jedenfalls eine sehr freundschaftliche Basis zu ihnen, die Zusammenarbeit ist richtig angenehm.
Florian Mayer: Durch die internationalen Ausbildungen haben Julian und ich im Ausland viel Neues gelernt und uns natürlich einiges abgeschaut. Daraus resultieren zum Beispiel die Akademie für unsere Mitarbeiter mit 110 kostenlosen Weiterbildungsmöglichkeiten oder unsere zwei Yachten in Kroatien, auf welchen Familien auf dem Meer einen perfekten Urlaub genießen können. Viele Neuerungen und Ideen ergeben sich außerdem vom intensiven Austausch unter den Häusern, das ist ein Riesenvorteil.
Sie haben im vergangenen Jahr mit Ihren vier Betrieben erstmals die 100-Millionen-Euro-Umsatzschallmauer durchbrochen. Was ist Ihr Erfolgsgeheimnis?
Ernst Mayer: Unser Weg war von Anfang an ganz klar, wir verfolgen unser Konzept rigoros. Jeder Wunsch des Gastes soll erfüllt werden, in der Kategorie Urlaub mit Kindern wollen wir die Besten sein.
Julian Mayer: Wie der Papa schon gesagt hat, verfolgen wir ein ganz strenges Konzept und weichen davon keinen Zentimeter ab. Wir konzentrieren uns voll auf Familien, dafür müssen wir alles tun. Buchungen von „Nicht-Familien“ lassen wir zum Beispiel gar nicht zu. Wir verfolgen eine ganz klare Idee und wollen uns nicht mit Neben-Themen verzetteln.

Florian Mayer: Man kann nur in eine Richtung loslaufen. 1994 sind wir losgelaufen und haben uns in diesen Jahrzehnten ein riesiges Know-how angeeignet. So sind auch die Yachten in Kroatien voll auf exklusiven Familienurlaub ausgerichtet. Eine Familie bucht die Yacht eine Woche mit allen Annehmlichkeiten und der Crew. Wir haben das im Vorfeld ausprobiert und das Interesse getestet. Das ist auch das Schöne, dass man in unserer Größe auch ohne großes Risiko etwas probieren kann. Dieses Angebot ist auch toll für unsere Mitarbeiter, die dort barfuß in der Badehose zwei Wochen arbeiten können. Das wird wirklich sehr geschätzt.
Die Familux Resorts stehen für 100 Prozent Urlaub für Familien mit Kindern. Wie hat sich die Familienhotellerie in den vergangenen Jahren entwickelt und welche Trends sind derzeit im Kommen?
Ernst Mayer: Auch wir als Hoteliers haben uns in den vergangenen Jahrzehnten natürlich stark geändert. Angefangen als Frühstückspension haben wir die gesamte Entwicklung zum 5-Sterne-Hotel mitgemacht. Diese ganzen neuen Wahrnehmungen und Trends haben wir bei den diversen Um- und Neubauten natürlich berücksichtigt.
Julian Mayer: Da hat sich wirklich viel geändert. Wir setzen sehr auf Digitalisierung, das merken auch die Gäste. So haben wir eine eigene App entwickelt, um den Urlaub für den Gast einfacher und komfortabler zu machen. Bei Sport und spielerischer Aktivität wird die Digitalisierung immer wichtiger: von der digitalen Kletterwand bis zum Angebot, welches die eigenen Zeichnungen in Cartoons umwandelt. Ebenfalls sehr gut kommt seit Neuestem der Green Screen an, mit welchem Kinder ihren eigenen Film gestalten können. Wir wollen jedenfalls nicht nur die PlayStation fördern, oder Games, wo man sich nur berieseln lässt. Interaktiv und aktiv, das ist uns wichtig.

Florian Mayer: Räume mit Virtual Reality-Angeboten gibt es bei uns nun in jedem Familux Hotel, da wollen wir ganz klar Vorreiter sein. Ansonsten gibt der Gast schon auch viel vor: In der Alpenrose bieten wir nun auch geschlossene Büroboxen zum Arbeiten sowie eine Eltern-Lounge an – weil Mamis und Papis mit Laptops sind auch im Urlaub ganz normal geworden.
Gerade eben wurde das Stammhaus Alpenrose in Lermoos großzügig umgebaut, vor zwei Jahren feierte das The Grand Green Familux Resort im deutschen Oberhof Eröffnung. Ist diese ständige Weiterentwicklung Ihre Grundphilosophie?
Ernst Mayer: Wenn man der Beste sein will, muss es eine ständige Vorwärtsentwicklung geben. Wir wollen Nachahmern keine Chance lassen und weiterhin ganz oben stehen.
Julian Mayer: Diese ständige Weiterentwicklung steckt schon ein bisschen in unseren Genen. Fakt ist, dass wir nur schwer ruhig sitzen können (grinst).
Florian Mayer: Wir haben in diesem und in den kommenden Jahren extrem viel vor. Das ist auch ein Zeichen an die Mitarbeiter, unsere Partner und an alle Gäste, dass wir nicht stehen bleiben, sondern wirklich Neues realisieren. Jeder sieht, dass wir mehr denn je voll in die Zukunft investieren.
Planen Sie in nächster Zeit den Bau weiterer Familux Resorts?


Ernst Mayer: Für heuer steht nach dem Umbau der Alpenrose noch eine große Neugestaltung und Erweiterung des Dachsteinkönigs in Gosau auf dem Programm. Das Familux Resort Oberjoch wird im nächsten Jahr modernisiert und vergrößert. Das ist alles schon fix geplant.

Julian Mayer: Hotelentwicklungen haben ups and downs. Deshalb reden wir erst dann konkret darüber, wenn der Bau beginnt. Wir arbeiten stark an den Themen Ostsee und Dolomiten, da werden wir neue Projekte vorantreiben.
Wenn wir kurz in die Kristallkugel blicken: Wie soll die Familux Gruppe in zehn Jahren dastehen?
Julian Mayer: Das haben wir schon konkret definiert, wir wollen bis 2034 auf zehn Hotels wachsen. Die meisten davon sollen im europäischen Ausland entstehen: Ostsee, Dolomiten, Schweiz und am Meer, am liebsten in Italien oder Griechenland.
Sie zählen zu den großen Hotelplayern in Deutschland und Österreich. Wo liegen die größten Unterschiede zwischen diesen zwei Staaten?
Ernst Mayer: Wir haben das Glück gehabt, dass wir in Oberhof vom Bundesland Thüringen und von der Gemeinde eine Riesen-Unterstützung bekommen haben. Ebenso beim Neubau des Dachsteinkönigs in Oberösterreich. Daher ist es für mich schwierig, hier zu unterscheiden. Österreich ist bei den Personalkosten sehr teuer geworden, das ist für uns ein wichtiger Faktor, weil wir sehr personalintensiv arbeiten – in jedem unserer vier Hotels sind im Schnitt 180 Personen angestellt. Das Produkt Familux Resort kann aber im Prinzip überall stehen. Wir haben den Vorteil, dass wir wenig Voraussetzungen brauchen, weil sich unser Produkt so gut verkauft.
Julian Mayer: Familien mit Kindern reisen lieber weniger weit. Je näher wir an den Metropolen liegen, desto größer ist der Erfolg. 95 Prozent unserer Gäste reisen unter vier Stunden an.
Florian Mayer: Allgemein kann man sagen: Wenn wir einen neuen Standort eröffnen, dann ist die Unterstützung sehr groß. Je länger man da ist, desto schwieriger wird es. Daher möchten wir uns die Destination selbst machen.
Gibt es außer den eigenen Häusern ein Lieblingshotel der Familie Mayer beziehungsweise wo machen Sie gemeinsam Familienurlaub?
Ernst Mayer: Wo es warm ist und ein Golfplatz in der Nähe ist (lacht).
Julian Mayer: Ich achte bei der Urlaubswahl darauf, dass es kulinarisch interessant ist. Zuletzt waren wir in Vietnam. Ein Lieblingshotel an sich gibt es nicht, man schaut sich immer neue Häuser in der ganzen Welt an.
Florian Mayer: Die Wahl der Urlaubsdestinationen hat sich erheblich geändert, seit Julian und ich selbst zur „Familux Zielgruppe“ geworden sind. Als Vater begreift man viel eher, dass die Kinderhotellerie einen super Urlaub bieten kann. Aber nur, wenn die Infrastruktur absolut passt.



